Grund zur Freude oder Trauerspiel – PV in Eislingen

Stellungnahme zum Thema PV auf kommunalen Dächern in Eislingen

In der Stellungnahme von Herrn Autenrieth (Facebook) werden Dinge, die nichts miteinander zu tun haben, vermischt bis ein unentwirrbares Knäuel an (Halb-) Wahrheiten und seiner persönlichen Meinung im Raum steht. Übrig bleibt ein schaler Geschmack: die anderen können es nicht. Die wollen nicht. Die blicken es nicht. Misstrauen.

Die Themen im Einzelnen:

Grundsatz: Muss man so viel Geld für eine Fahrradüberdachung am Gymnasium ausgeben? Muss man die Abstellplätze für Fahrräder überhaupt überdachen? Kann man drüber reden, wir sagen ja. Wir wollen, dass möglichst viele Kinder und Jugendliche mit dem Fahrrad in die Schule fahren (gerne auch Lehrer/innen). Da ist eine Überdachung Standard. Dass Herr Autenrieth die Überdachung immer schon kritisch gesehen hatte und sie zu teuer fand (auch ohne PV) sei nur am Rande erwähnt.

Der CDU-Antrag (Dezember 2022): Im Haushaltsentwurf 2023, der Ende 2022 eingebracht wurde, hatte die Stadtverwaltung eine Summe von 150.000 Euro für den Ausbau PV vorgesehen. Ganz klar zu wenig. Wir hatten beantragt, dass pro Jahr drei Anlagen auf städtischen Gebäuden realisiert werden sollen (ohne Investitionskosten zu nennen). Die CDU hat dann bei den Haushaltsberatungen 850.000 Euro pro Jahr beantragt. So weit so richtig. Natürlich wäre es gut gewesen, wenn man diesem Antrag hätte zustimmen können. Allerdings hat die Verwaltung seinerzeit plausibel dargelegt, dass man – zum damaligen Zeitpunkt – diese Summe nicht hätte investieren können, weil die personellen Ressourcen bei der Stadt nicht da waren (einige Stellen waren nicht besetzt). Wir hatten keinen Grund hier misstrauisch zu sein, insofern war unser Vorschlag ein Kompromiss zwischen Wünschenswertem und Machbaren. Herr Autenrieth als Unternehmer weiß, dass man keine Aufträge annehmen sollte, wenn man nicht die personellen Ressourcen hat, diese Aufträge abzuarbeiten. Es bringt auch nichts, die Mitarbeiter/innen „zu verheizen“. Mittlerweile sind wohl alle Stellen besetzt und wir sind gerne bereit darüber zu diskutieren, ob man sich in dieser Frage neu aufstellen sollte.

Um die Installation von PV-Anlagen zu beschleunigen haben wir in den Haushaltsberatungen für 2024 beantragt, PV-Anlagen auf städtischen Gebäuden durch Bürgerenergie-Genossenschaften bauen zu lassen.

Die Kosten:  Die Gesamtkosten für die Überdachung sind in der Tat nicht ganz nachvollziehbar. Laut Vorlage vom 27.02.2023 (ATU) kostet die Anlage insgesamt ohne PV 350.000 Euro („geschätzte Gesamtkosten“). Der gesamte Untergrund musste allerdings erneuert und asphaltiert werden (das war notwendig, weil der bestehende Belag Schadstellen und Stolperfallen aufwies), 360 m² Fußwege werden gepflastert, dann kommt das Dach und die Begrünung der Randflächen. Vom Land gibt es dafür einen Zuschuss in Höhe von 200.000 Euro. Bei der Stadt verbleiben also 150.000 Euro. Tatsächlich ist am 01.02.2024 in der Sitzungsvorlage von Kosten in Höhe von 440.000 Euro die Rede (immer noch ohne PV), von denen allerdings 40.000 Euro nicht benötigt werden.

Die PV-Anlage: Ich finde es ziemlich klug, dass man ein Dach, das ohnehin notwendig ist, ersetzt durch eine PV-Anlage, die nicht nur Dach ist (Regenschutz, Verschattung), sondern zusätzlich Strom produziert. Wie man sich darüber ärgern kann, bleibt das Geheimnis von Herrn Autenrieth. Was Herr Autenrieth nicht verstehen will ist, dass die Installation als Witterungsschutz entweder beim Bau der Anlage gemacht wird oder niemals. Der Witz ist ja gerade, dass man sich das konventionelle Dach einspart. Nebenbei: Viele Unternehmen in BW, darunter Bosch, überdachen aktuell ihre Firmenparkplätze mit PV-Anlagen.

Das Glasdach würde 100.000 Euro kosten, die Dach-/PV-Anlage kostet 150.000 Euro. Wir werden uns dafür einsetzen, dass nur die Mehrkosten in Höhe von 50.000 Euro aus dem PV-Jahresbudget in Höhe von 300.000 Euro finanziert werden und nicht die Kosten für das Dach, die ohnehin angefallen wären. An dieser Stelle hat Herr Autenrieth recht.

Die Halbwahrheiten: die PV-Anlage ist unrentabel. Das ist nachweislich falsch. Der Mehrpreis für PV (mit Wechselrichter und allem drum und dran) beläuft sich auf 50.000 Euro (150.000 statt 100.000 für ein reines Glasdach). Die Anlage hat sich nach knapp 8 Jahren amortisiert. Der Stromertrag wäre theoretisch 31.000 kWh pro Jahr, wegen der Verschattung muss man ca. 10-20% abziehen. Die Behauptung von Herrn Autenrieth, dass eine Anlage, die 50.000 Euro kostet (Mehrkosten PV statt Glas), an anderer Stelle den vierfachen Ertrag bringt (also ohne Verschattung 120.000 kWh) ist absolut nicht nachvollziehbar.

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